Zahlen, Daten, Fakten
Hintergründe zum Wasserablass am Edersee
Die Betriebsvorschrift von 2011 ist für uns nicht mehr zeitgemäß. Die Zweckbestimmung der Edertalsperre laut Betriebsvorschrift des Regierungspräsidiums Kassel vom 01. Mai 2011 lautet:
1. Niedrigwasseraufhöhung der Weser
2. Hochwasserrückhalt für die untere Eder, die Fulda, die Weser
3. Energiegewinnung aus Wasserkraft der Talsperre
Dier Zweckbestimmung stützt eine „überschaubare Transportschifffahrt auf der Oberweser im Sommer. Mit anderen Worten: Wasserablass am Edersee und auf der Weser fährt kein Schiff. Schiffsverkehr findet im Sommer nur auf 6 km mit 2 Kiesverladern statt.
Es geht nicht um „Weser gegen Edersee“ sondern um eine politische Schieflage der Interessen. Der RVED steht für eine angemessene Berücksichtigung aller Interessen: Wirtschaft am Edersee, Naturschutz, Wasserqualität und regionale Lebensqualität dürfen nicht hintenanstehen, nur weil die Regelung in der Betriebsvorschrift von 2011, historisch stark auf die Weser ausgerichtet ist. Das ist nicht zeitgemäß. Während die Schifffahrt an der Oberweser erheblich an Bedeutung verloren hat, entwickelte sich der Tourismus in der Region Edersee zu einem der größten Wirtschaftsfaktoren. Die zusätzlichen Auswirkungen des Klimawandels werden überhaupt nicht berücksichtigt.
Schifffahrt auf der Oberweser
Fakten zur Edersee-Oberweser Bewirtschaftung:
1. Das Volumen des Edersee reicht, selbst in durchschnittlichen niederschlagsreichen Jahren nicht aus, um der Oberweser ganzjährig den Pegel von 120 cm Hann. Münden/55cbm/sec zu gewährleisten. Im Jahr 2022 endete die Stützung bereits am 9. August. Anschließend hatte die Oberweser an 135 Tagen durch anhaltende Trockenheit Niedrigwasser, Schifffahrt war nicht möglich (s. Grafik Pegel Hann. Münden 2022; möglich wäre ein Pegel von 1,00 m bis Oktober).
2. Erst recht reicht das Volumen nicht bei den durch den Klimawandel veränderten Niederschlagsmengen. Daraus resultieren geringere Zuflussmengen* zum Edersee und vor allem auch aus der Fulda und Werra zur Weser. *(Früher 5-7 malige - heute 2 malige Füllung des Edersees. Laut dem Leiter des Weserschifffahrtamtes)
3. Die Folge: immer frühere und höhere Abgaben an die Oberweser, so dass der See zur Hochsaison in den Sommerferien leer ist und nicht oder nur sehr stark eingeschränkt genutzt werden kann. Der Edersee kann die fehlenden Niederschlagsmengen aus Thüringen und der Rhön NIE kompensieren!
4. Das bedeutet für die Region Edersee eine Saisonverkürzung um 3 Monate, immense Umsatzeinbußen bis zu 70%, Verlust von Arbeitsplätzen, Betriebsaufgaben (jeder 3. Betrieb steht zum Verkauf), Verminderung der touristischen Vielfalt, Image -Verlust (Rückgang der Wiederbucher), keine weiteren, nötigen Investitionen im Tourismus, da die betriebswirtschaftliche Perspektive fehlt. Wasserqualitätsverschlechterung/ Badeverbote/Gefahr von Fischsterben im und unterhalb des Edersees.
5. Für die Region Oberweser: Einstellung des Fährbetriebs, Transport- und Fahrgastschifffahrt über Monate. Ökologische Folgen für die Eder-/Fulda- /Weserauen, Gefahr von Fischsterben.
6. Bei der Transportschifffahrt im Sommer handelt es sich um 2 Kiesgewinnungsbetriebe, die die Oberweser nur wenige Kilometer nutzen. Damit sie im Sommer maximal 6 Wochen länger fahren können, muß der Edersee das Wasser radikal ablassen. (Während am Rhein - dort werden täglich fast so viel Güter über hunderte Kilometer transportiert wie auf der Oberweser im Jahr- die Schifffahrt auf Grund niedriger Niederschläge /Pegelstände die Schifffahrt bis zu 40% abladen muß oder gar eingestellt wird. Auf der Elbe muß die Schifffahrt ebenfalls eingestellt werden.
7. Die Fahrgastschifffahrt ist, bis auf wenige Ausnahmen, mit für die Oberweser ungeeigneten, veralteten Schiffen unterwegs (zu viel Tiefgang). Vor dem Bau der Talsperre waren flachgängige Schiffe im Betrieb.
Wirtschaft am Edersee
Umsatzrückgang am Edersee um 34 Prozent!
Basierend auf einer repräsentativen Umfrage des RVED bei über 50 Unternehmen (darunter Gaststätten, Restaurants, Hotels, Privatvermieter, Betriebe, Unternehmen) ist der Umsatz, durch einen leeren Edersee im Sommer im letzten Jahr im Durchschnitt bei allen Befragten um 34% gesunken!
Fährbetriebe mussten ganz eingestellt werden.
Segelbootsverleihe, Segel- und Surfschulen hatten eine verkürzte Hauptsaison. Gästezahlen sind gesunken.
Ein Warnfaktor für die Wirtschaft am Edersee!
1,9 Mio. Übernachtungen pro Jahr
Die Region Eder-Diemel ist die Tourismusstärkste ländliche Region Hessens. Mit über 1,9 Mio. Übernachtungen pro Jahr zählt der Tourismus in der Region zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in Nordhessen.
In den Jahren mit niedrigen Wasserstand ist die Anzahl der Übernachtungen ab Juli auf Grund Stornierungen um bis zu 25% gesunken.
Drittgrößter Stausee Deutschlands
Der Edersee ist der drittgrößte Stausee in Deutschland und grenzt an den einzigen hessischen Nationalpark Kellerwald-Edersee an.
Eine einzigartige Tourismusattraktion für unsere Region- bei vollem See!
Bedeutendes Naherholungsgebiet in Hessen
Die Region rund um den Eder- und Diemelsee mit den Flüssen Eder und Diemel zählt zu den bedeutendsten Naherholungsgebieten Hessens.
Sie bietet Menschen vielfältigste Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und Erholung.
Das muss so bleiben!
Wasserstände am Edersee
Der Edersee ist kein natürlicher See, sondern eine Talsperre mit wichtigen Aufgaben für ganz Nordhessen und darüber hinaus. Sein Wasserstand wird daher gezielt gesteuert, um unterschiedliche Interessen auszugleichen. (Verlinkung auf Q&A Der Edersee- warum der Wasserstand schwankt)
Je nach Füllständen des Inhaltes im Edersee sind Bewirtschaftungsbereiche und deren Abflussmengen festgelegt. Der Hochwasserschutzraum (hellblau) wird vom 1. November bis zum 31. April des darauffolgenden Jahres freigehalten.
Im Stützungsbereich (rot) wird durch Abgaben von bis zu 42 m^3/s der Pegel von 120 cm in Hann. Münden gesteuert. Zusätzlich kommt im Zeitraum Juli / August nach Bedarf die Haltelinie 125 zum Einsatz (gelb) zum Einsatz.
Im grün gekennzeichnet Bereich wird nur noch die Zuflussmenge an die untere Eder abgegeben. Damit soll der Inhalt annähernd gehalten werden. Dieser Fall kann zu erheblichen oder sogar zu katastrophalen Auswirkungen für Flora und Fauna nicht nur im Edersee, sondern auch in der unteren Eder führen.
Bei Vollstau 200 Millionen Kubikmeter = 245 m üNN (Normal)
Bei 125 Millionen Kubikmeter = 237 m üNN (Ab hier Stopp! nur noch Mindestabgabe)
Bei 100 Millionen Kubikmeter = 234 m üNN (Gefahr Tourismus, für Flora, Fauna, Fischsterben)